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© Rainer Neuefeind
 

Ethnographische, religionswissenschaftliche und psychologische Studien

Religion und Schamanismus der Ainu auf Sachalin. Ein Beitrag zur historischen Völkerkunde Ostasiens.

Adami, Norbert R.
MĂŒnchen: Iudicium 1991. 171 S.
ISBN 3-89129-278-3

Der Ethnologe Adami unternimmt angesichts einer unvollstĂ€ndigen Quellenlage den Versuch, die Religion der Ainu und insbesondere deren Schamanismus mit ethnologischer Systematik zu erschließen. Er bemĂŒht sich um die Ausschöpfung des vorliegenden Quellenmaterials und bringt auch selbstgewonnenes Material mit ein. Sein Ziel ist es, aus den vielschichtigen religiösen Vorstellungen der Ainu einen kohĂ€renten Komplex - die eigentliche "Religion" - herauszuprĂ€parieren, um so Vergleiche mit anderen Zeitaltern dieser Kultur sowie mit anderen Religionen umliegender LĂ€nder anstellen zu können. Besonders interessiert zeigt er sich an den Beziehungen zwischen den Ainu-Religionen und japanischen Religionen. Trotz dieser explizit ethnographischen Absicht kommen im dritten Teil des Buches Weltbild und Glaubenssystem der Ainu ebenso wie die Stellung, Berufung und AusrĂŒstung des Schamanen zu ausfĂŒhrlicher WĂŒrdigung.
Es handelt sich um einen speziellen Beitrag zur vergleichenden Religionsethnographie, der den Schamanismus als zentrale Ausdrucksform des Religiösen untersucht.
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Schamanismus der TĂŒrken Sibiriens. Versuch einer vergleichenden arealen Untersuchung.

Alekseev, H. A.
Hamburg: Schletzer 1987. 348 S. u. 22 Abb.
(Studia Eurasia Bd. I)
ISBN 3-921539-30-7

Dieses aus dem Russischen ĂŒbersetzte Standardwerk bietet zunĂ€chst einen Überblick zur bisherigen ethnographischen Forschung in dieser Region. Zentral sind fĂŒr den Autor die sogenannten "animistischen Vorstellungskomplexe", welche auch die Teilung in Oberwelt- und Unterweltgeister beinhalten.
Im nĂ€chsten Kapitel geht es um die Verleihung der Gabe des Schamanen, insbesondere um Initiationskrankheiten und -rituale. Daran anschließend nimmt sich der Autor der "religiösen Praxis der Schamanen" an. Hier stellt er die schamanische Seance als Dreh- und Angelpunkt des Wirkens der Schamanen anhand von Quellenberichten detailliert dar, um dann auf deren Rolle im Leben der Völker einzugehen.
Es handelt sich um die erste umfassende vergleichende Untersuchung des Schamanismus dieser Region. Aufgrund seiner Studien schlußfolgert der Autor, daß es sich beim Schamanismus der einzelnen Völker letztlich um ein "im Großen und Ganzen einheitliches PhĂ€nomen" handele, beruhend auf einem vergleichbaren Komplex von Vorstellungen ĂŒber irdische und ĂŒberirdische ZusammenhĂ€nge.
Diese grundlegende Arbeit dĂŒrfte in Zukunft fĂŒr das Studium des sibirischen Schamanismus unabdingbar sein.
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Schamanismus und rituelles Heilen im alten Peru. 2 Bde.

Andritzky, Walter
Berlin: Zerling 1988. zus. 525 S.
ISBN 3-88468-041-2
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Aus dem Kulturzusammenhang entwickelt der Autor eine lebendige Rekonstruktion des altperuanischen Heilwissens. Um die Gesundheits- und Krankheitsvorstellungen aus ihrer inneren Logik heraus zu verstehen, wird das ganze Weltbild mit seinen Mythen und Legenden, seinen Religionen, seiner Astronomie und Symbolik im Zusammenhang mit den Phasen des Ackerbaujahres und den damit verbundenen Ritualen in wechselseitigen BezĂŒgen entfaltet. Der altperuanische Heilschamanismus kommt ausfĂŒhrlich zur Darstellung. Das Buch wurde als Dissertation verfaßt, bietet aber auch dem nicht-akademischen Leser einen guten Überblick. Ein wissenschaftlich seriöses Werk, das eine ganzheitliche Aufffassung des Schamanismus erstrebt.
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So heilen Schamanen. Schamanistische Heilungen im Licht von Bibel und Psychotherapie.

Bittlinger, Arnold
Kindhausen: Metanoia. 3. Auflage 1993. 35 S.
(Metanoia - Eine Schriftenreihe der ökumenischen Akademie Nr. 5)
ISBN 3-9520072-8-5
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Zur Eröffnung seiner kleinen Schrift schildert der Autor drei klassische Beispiele von schamanistischen Heilungen, an denen er die drei Grundformen schamanistischen KrankheitsverstĂ€ndnisses (Einverleibung eines Krankheitsgeistes, Seelenverlust und Seelenwanderung) erlĂ€utern möchte. Seine ErklĂ€rungen sind einleuchtend und im wesentlichen zutreffend. Als nĂ€chstes versucht er die Frage zu beantworten: wie wird man ein Schamane und wie lĂ€uft eine Initiation ab? Er schildert die VorgĂ€nge von Vererbung und Berufung sowie Grundstrukturen der Initiation. Wie schon im Untertitel angekĂŒndigt, sucht der Autor immer wieder nach dem Schamanismus verwandten VorgĂ€ngen bzw. Schilderungen in der Bibel. In den meisten FĂ€llen gelingt ihm die Herstellung plausibler Parallelen.
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Der Weibmann. Kultischer Geschlechtswandel im Schamanismus.

Bleibtreu-Ehrenberg, Gisela
Frankfurt/Main: Fischer 2. Auflage 1989. 200 S.
ISBN 3-596-7348-X

Die Religionswissenschaftlerin und Psychologin unternimmt im ersten Teil des Buches zunĂ€chst eine grĂŒndliche ErlĂ€uterung der tragenden Begriffe ihrer Untersuchung wie "sexuelle Devianz", "Transvestitismus", "TranssexualitĂ€t" und "AndrogynitĂ€t". Der zweite Teil beschĂ€ftigt sich in sexualpsychologischer Perspektive mit einem typischen Bestandteil schamanistischer Rituale: dem rituellen Wandel der GeschlechtsidentitĂ€t. Nach einer zusammenfassenden Darstellung der unterschiedlichen Funktionen der Geschlechter im Schamanismus wird die spezielle Bedeutung von Transvestition und TranssexualitĂ€t innerhalb schamanistischer Glaubensvorstellungen und Praktiken untersucht. Insbesondere die persönlichen und metaphysischen "Motive" fĂŒr die "Übernahme der entgegengesetzten GeschlechtsidentitĂ€t" werden genau erörtert.
Insgesamt eine sorgfĂ€ltige und grĂŒndliche Untersuchung dieses Aspektes im Schamanismus.
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Die magische Welt der Schamanen und Höhlenmaler.

Braem, Harald
Köln: DuMont 1994. 275 S.
ISBN 3-7701-3343-9
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Der Autor versucht dem Publikum ein plastisches Panoramabild von schamanisch inspirierten Kunstwerken der Vorzeit zu vermitteln. Er will dabei ungebunden verschiedene Perspektiven erproben. Dazu hat der Autor die von ihm beschriebenen Kunstwerke und KultplÀtze sÀmtlich besucht, um sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.
Im Mittelpunkt seiner lebendigen Interpretationen stehen die Höhlenmalereien der Eiszeitkunst (30.000-10.000 v. Chr.). Zur Erörterung der Kunstwerke bzw. ihres Hintergrundes dient ihm neben kunsthistorischen Fakten und Theorien die subjektive EinfĂŒhlung. Auch beim Leser möchte er Raum fĂŒr eigene Gedanken lassen und verweist in diesem Zusammenhang auf "die Vorzeit in uns".
Das Buch ist leichtverstĂ€ndlich geschrieben und verfolgt interessante Gedanken unter BerĂŒcksichtigung psychologischer Aspekte. Der Schamanismus bildet das Beziehungszentrum der Spekulationen des Autors. Der insgesamt sachliche Stil interferiert allerdings mit der teilweise spekulativen Ziehung von Parallelen zwischen zeitlich und geographisch verschiedenen Werken und Orten.
Am Ende des empfehlenswerten Buches steht eine (mit praktischen Hinweisen versehene) Liste der vom Autor zum Besuch empfohlenen HöhlenkunststÀtten.
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Im Reiche des Wakan. Schamanismus und Magie der Indianer Nordamerikas.

Bramly, Serge
Basel 2. Auflage 1982. 264 S.
ISBN 3-85914-155-4
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Nach einem geschichtlichen Überblick nimmt uns der Autor mit auf eine Reise kreuz und quer durch die Vorstellungswelt und Rituale der Indianer. Er versucht zwar immer wieder, zwischen den Vorstellungen und Praktiken der einzelnen StĂ€mme Parallelen aufzuzeigen, dies gelingt aber nur fragmentarisch.
Das Buch ist anregend, wirkt aber chaotisch. Schade, daß soviel interessantes Material so unĂŒbersichtlich verarbeitet wurde.
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Trance und Magie in der Höhlenkunst der Steinzeit.

Clottes, Jan/David Lewis-Williams
Sigmaringen: Jan Thorbecke 1997. 119 S.
(Thorbecke SpelÀothek Bd. 2)
ISBN 3-7995-9051-X
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Dieser großformatige und prĂ€chtig bebilderte Band erscheint in einer Reihe, die sich die Erforschung und Wiedergabe vorgeschichtlicher Höhlenkunst zur Aufgabe gemacht hat.
Die beiden Autoren fanden zueinander ĂŒber die Frage nach den Motiven steinzeitlicher Menschen. Diese suchten nĂ€mlich nicht nur die unheimlichen Tiefen der Höhlen auf, sondern versahen auch deren WĂ€nde mit einer unglaublichen Vielfalt höchst beeindruckender Zeichnungen und GemĂ€lde.
In einem plausiblen neuartigen Interpretationsversuch werden die Höhlenkunstwerke von den Autoren in den großen Zusammenhang vorgeschichtlicher ReligiösitĂ€t und Weltdeutung gestellt. Die kompetenten Erörterungen, welche die Kunstwerke auf Zentralmotive des Schamanismus beziehen, werden nur noch von der QualitĂ€t des hier zugĂ€nglich gemachten Bildmaterials ĂŒbertroffen.
Die Autoren bieten einen relevanten Interpretationsversuch wichtiger steinzeitlicher Kunstwerke, der in konstruktiver Weise die neuesten Erkenntnisse aus Anthropologie, Medizin und Psychophysiologie mit kunstgeschichtlichen Deutungen zusammenfĂŒhrt.
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Opfer und Ekstase. Wege der neuen Schamanen.

Doore, Gary (Hrsg.)
Freiburg i. Brsg.: H. Bauer 1989. 336 S.
ISBN 3-762-60648-X
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Der Sammelband bringt in drei Kapiteln insgesamt 22 AufsĂ€tze zum Thema. So bekannte Autoren wie Ake Hultkranz, Stanley Krippner, Stanislav Grof und andere kommen zu Wort. Die Kapitel beschĂ€ftigen sich, nach einleitenden Bemerkungen des Herausgebers, mit dem Neoschamanismus, der Definition des Schamanen sowie dem Thema Heilung und Schamanismus, hierbei vor allem dem heutigen Nutzen der Praktiken. Das Schlußkapitel untersucht den Einfluß des Schamanen auf die "neue SpiritualitĂ€t" des "New Age".
Dieses aktuell orientierte Buch sollte jedem Interessierten zur VerfĂŒgung stehen. Obwohl es sich um wissenschaftliche AufsĂ€tze handelt, sind sie allgemeinverstĂ€ndlich geschrieben.
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Der Schamane und der Magier. Reisen zwischen den Welten.

Drury, Nevill
Basel: Sphinx 1989. 180 S.
ISBN 3-85914-351-4
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Nach einer kurzen EinfĂŒhrung in den Schamanismus verfolgt der Autor das Ziel bestimmten Parallelen zwischen schamanistischen Glaubensvorstellungen und Praktiken und magischen Systemen bzw. Ritualen (insbesondere denen des bekannten "Golden Dawn"-Ordens) nachzugehen. Er kann zeigen, daß gewisse Entsprechungen existieren und macht sie fĂŒr den Leser nachvollziehbar. Der Schwerpunkt seiner Untersuchung liegt auf der Charakterisierung der verschiedenen Bewußtseinsebenen, die sowohl der Schamane als auch der Magier mittels bestimmter Prakiken zu betreten vermögen. Auch wenn deren Beschreibungen unterschiedliche Metaphorik verwendet, bezeichneten sie anscheinend doch das gleiche Geschehen bzw. Erleben. In einem Anhang werden die neuesten Erkenntnisse der modernen Bewußtseinsforschung zum Schamanismus vorgestellt.
Das Buch ist in seiner thematischen Ausrichtung einzigartig und auch als EinfĂŒhrung in das Thema geeignet.
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Konzentration und EntrĂŒckung. Aus der Geschichte des VerhĂ€ltnisses von ekstatischer Erfahrung und wissenschaftlicher Begriffsbildung.

DĂŒe, Michael
Heidelberg: Carl Winter 1993. 435 S.
ISBN 3-8253-0124-9

In dieser umfangreichen akademischen Abhandlung geht es dem Autor um das PhĂ€nomen der Ekstase und im besonderen um dessen Beziehungen zur Welt der Wissenschaft. Er stellt in nachvollziehbarer Weise eine zunehmende VerdrĂ€ngung ekstatischen Erlebens als einer "ausschweifenden Bewegung" im Kontrast zur heute dominierenden, mit Begriffen ihren Gegenstand "umklammernden" Naturwissenschaft dar. Er sieht es als seine Aufgabe, mit genauem begrifflichem Denken eine historisch-vergleichende Untersuchung der Ekstaseformen zu leisten. Er vergleicht dazu exemplarische Ekstasen und Ekstasedeutungen verschiedener Kulturepochen, wobei auch die Ekstasen der Schamanen bedeutenden Raum einnehmen. Neben einer "Sicherung des PhĂ€nomenbestandes Ekstase" und ihrer Ausdrucksformen will der Autor mittels anthropologischer Beleuchtung deren universale, das heißt ĂŒber zeitliche und geographische Unterschiede hinausgehenden Gemeinsamkeiten herausarbeiten. Im Anschluß an Schamanen, Hexen und Druiden werden auch antike GeistesgrĂ¶ĂŸen wie Heraklit, Pythagoras, Parmenides und Platon als Ekstatiker und Theoretiker der Ekstase behandelt.
Der Autor schlußfolgert, daß in der nachantiken abendlĂ€ndischen Geschichte zunĂ€chst eine Ambivalenz, spĂ€ter eine VerdrĂ€ngung und Verleugnung gegenĂŒber ekstatischem Erleben eingetreten sei. Dem von ihm fĂŒr die heutige Zeit postulierten "verschĂ€mten Interesse an der Ekstase" ist wohl diese aufschlußreiche Untersuchung zu danken.
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Alcheringia oder die beginnende Zeit. Studien zu Mythologie, Schamanismus und Religion.

Duerr, Hans-Peter (Hrsg.)
Frankfurt/M.: Qumran 1989. 198 S.
ISBN 3-445-04724-3
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Dieser Sammelband ist dem Religionswissenschaftler Mircea Eliade zum 75. Geburtstag gewidmet. Einige AufsĂ€tze international renommierter Autoren befassen sich mit dem Thema Schamanismus. So berichtet eine Autorin ĂŒber neueste Forschungsergebnisse zur Praxis der BewußtseinsverĂ€nderung bei Schamanen. Ein anderes Thema ist der Einfluß schamanistischer Traditionen auf moderne Besessenheitskulte im heutigen Japan. Der Band bringt vornehmlich Einzelaspekte des Schamanismus zur Darstellung und ist von daher eher fĂŒr Fachpublikum bestimmt.
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Schamanismus und Psychoanalyse. Zum Problem mythologischer RationalitÀt in der strukturalen Anthropologie von Claude Lévi-Strauss.

Enderwitz, Ulrich
Wiesbaden: Campus 1977. 317 S.
ISBN 3-593-32818-6
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Diese Abhandlung vesucht eine vergleichende Interpretation der schamanistisch und psychoanalytisch geleiteten HeilungsvorgĂ€nge und ihrer Strukturen (Deutung, Übertragung, Abreaktion) zu liefern. Sie versteht sich zugleich als eine Kritik der strukturalen Anthropologie von C. LĂ©vi-Strauss. Mit Hilfe psychoanalytischer Kategorien und metatheoretischer Konzepte versucht sie deren weltanschaulichen Hintergrund bewußtzumachen.
Am PhĂ€nomen der Übertragung wird ein Interpretationsvergleich der strukturalen Anthropologie mit einer kritischen hermeneutisch-psychoanalytischen Interpretationsweise geleistet. Obwohl das Buch relevante ZusammenhĂ€nge bezĂŒglich des Schamanismus und seiner therapeutischen Vorgehensweise aufzeigt, ist es in einem schwerverstĂ€ndlichen Wissenschaftsjargon geschrieben. Von daher nur fĂŒr Fachpublikum geeignet.
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Schamanentum und ZaubermÀrchen.

Gehrts, Heino / Gabriele Lodemann-Priemer (Hrsg.)
Kassel: Röth 1986. 218 S.
(Veröffentlichungen der Deutschen MÀrchengesellschaft Bd. 10)
ISBN 3-87680-344-6
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Diese Sammlung von 11 AufsÀtzen zum Thema Schamanismus und MÀrchen verfolgt zwei Ziele: Zum einen will sie Elemente der schamanistischen Vorstellungswelt (Hilfsgeister, Zauberei und anderem) und ihre Verarbeitung in MÀrchen aufzeigen. Zum anderen will sie das MÀrchenerzÀhlen selbst als Heilungswerkzeug des Schamanen in den Blick bringen. Neben den deutschsprachigen Autoren kommen auch zwei ungarische Schamanenspezialisten zu Wort. Das Werk greift ein interessantes Thema auf und ist nicht populÀr, aber allgemeinverstÀndlich geschrieben.
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Das Reich des Schamanen. Der eurasische Weg der Weisheit.

Golowin, Sergius
MĂŒnchen: Goldmann 1989. 339 S.
ISBN 3-442-11885-9
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Das etwa 15. Buch Golowins hÀlt nicht, was der Titel verspricht. Es wird hier zwar ansatzweise der eurasische Schamanismus beschrieben, aber nur sehr oberflÀchlich und unzusammenhÀngend. Der Zigeunerspezialist Golowin kann zwar manche interessante Information bringen, wird aber in seiner zerfaserten Darstellungsweise dem Thema kaum gerecht.
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Schamanische Wissenschaften. Ökologie, Naturwissenschaften und Kunst.

Gottwald, Franz-Theo / Christian RĂ€tsch (Hrsg.)
MĂŒnchen: Diederichs 1998. 278 S.
ISBN 3-424-01445-1
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Wie schon im Untertitel angedeutet, ist der Band in 3 Rubriken untergliedert und versucht die ĂŒber den Schamanismus vermittelten Verbindungen dieser Bereiche zu verdeutlichen.
Im Abschnitt "Ökologie" wird nach einer anregenden Erörterung ĂŒber "tiefenökologische Erkenntnisbildung und Wertehierarchie" durch Gottwald von einer Ethnologin Einblick in komplexe ökologische Vorstellungen zweier Naturvölker gewĂ€hrt.
Die Arbeiten der Abschnitte "Naturwissenschaft" und "Kunst" beschĂ€ftigen sich auf hohem Niveau mit dem Schamanen als empirisch arbeitendem Wissenschaftler, das heißt Pharmakologen, Physiologen, Geistbeschwörer und Psychotherapeuten. KĂŒnstlerische Aspekte werden anhand der schamanistisch inspirierten Arbeiten von Joseph Beuys erlĂ€utert.
Der Band erschließt in grĂŒndlichen Studien eine Vielfalt von Einzelaspekten des Schamanismus und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu dessen Neubewertung in der gegenwĂ€rtigen Diskussion.
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Der Gesang des Schamanen. Hirnforschung - verĂ€nderte BewußtseinszustĂ€nde - Schamanismus.

Guntern, Gottlieb (Hrsg.)
Brig: ISO-Stiftung 1990. 337 S.
ISBN 3-906520-03-X
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Diese - an abgelegener Stelle erschienene - Publikation enthĂ€lt VortrĂ€ge und Diskussionen, die auf einem Kongreß der Schweizer ISO-Stiftung zu dem im Untertitel bezeichneten Thema gehalten wurden. Im 1. Teil gibt der durch seine diesbezĂŒglichen Forschungen berĂŒhmt gewordene Neurologe Joseph Bogen einen Überblick ĂŒber "die hemisphĂ€rische Spezialisierung des Gehirns" und ihre Implikationen fĂŒr das VerstĂ€ndnis verĂ€nderter BewußtseinszustĂ€nde. Ein anderer kompetenter neurophysiologischer Forscher, Arthur Deikmann, referiert ĂŒber "bimodales Bewußtsein und mystische Erfahrungen". Der bekannte Halluzinogen- und Schamanismus-Forscher Peter Furst erlĂ€utert im Anschluß daran die Beziehungen von schamanischer Ekstase und der Einnahme botanischer Halluzinogene. Im 4. Teil trĂ€gt der kanadische Neurobiologe Raymond Prince seine Theorie ĂŒber den Zusammenhang von Trance und neurobiologisch aktiven körpereigenen Substanzen - den sogenannten "Endorphinen" - vor. Die jeweils im Anschluß an die VortrĂ€ge abgelaufenen Diskussionen sind mitabgedruckt. Das Buch bringt fĂŒr den Fachmann kaum Neues, da es eher eine Art Zusammenfassung bekannter amerikanischer ForschungsansĂ€tze enthĂ€lt, ist aber eine gute deutschsprachige EinfĂŒhrung in diese Theorien.
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Schamanentum und Psychiatrie. Untersuchung zum Begriff der "arktischen Hysterie" und zur psychiatrischen Interpretation des Schamanentums zirkumpolarer Völker.

Haas, Jochen U.
Freiburg i. Br.: Diss. phil. 1976. 322 S.

Diese akademische Untersuchung beginnt mit einer Begriffsgeschichte des Schamanismus. Im Hauptteil der Arbeit werden vom Autor mögliche (von anderen Autoren unterstellte) Beziehungen schamanistischer FunktionstrĂ€ger zu vier großen Gruppen neurologischer bzw. psychiatrischer Krankheitsformen (Epilepsie, Schwachsinnsformen, Schizophrenien und Psychopathien) erörtert. Eine besondere Rolle spielen dabei die hysterischen ZustĂ€nde.
Ende der dreißiger Jahre formulierte der versierte Religionswissenschaftler und Schamanismusforscher Ohlmarks die These einer spezifischen psychopathologischen Eigenart der am Polarkreis beheimateten Schamanen. Die "arktische Hysterie" meinte er 1939 als zentrales psychologisches Merkmal der Schamanen ausgemacht zu haben. Da diese Deutung in der Forschung wesentlichen Einfluß gehabt hat, lohnt sie die gezielte Auseinandersetzung.
Nach ausfĂŒhrlichen Erörterungen der Problemlage und des Forschungsstandes zieht der Autor eine kritische Bilanz, indem er die Ansatzpunkte der Ohlmarksschen Theorie einer systematischen Kritik unterzieht.
Im letzten Kapitel stellt der Autor noch einmal die allgemeinen Fehlerquellen bei der Deutung schamanistischer PhĂ€nomene (Ethnozentrismus, Feldsituation, politische Situation usw.) grĂŒndlich dar.
Es handelt sich um eine grundlegende Arbeit, was die Kritik an psychopathologischen Interpretationen betrifft. Bisherige Deutungen werden fundiert problematisiert und es wird ĂŒber metatheoretische Reflexion wichtige Kritik erarbeitet.
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Der Schamanismus der Eskimos.

Haase, Evelin
Aachen: Alano 1987. 383 S.
(Acta culturologica Bd. 3)
ISBN 3-89399-026-7
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Anhand der ethnographischen Quellen wird hier in akademisch gehaltener Form der Schamanismus der Eskimos dargestellt. Es geht der Autorin, neben einer genauen phĂ€nomenologischen Eingrenzung des Schamanen und seiner TĂ€tigkeit, vor allem um den Aufweis von Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Schamanismus verschiedener Eskimovölker. Diese haben zum großen Teil niemals untereinander Kontakt gehabt und von daher unterschiedliche Vorstellungswelten entfaltet, deren von der Autorin aufgezeigte Gemeinsamkeiten einer Wesensanalyse des PhĂ€nomens Schamanismus förderlich sein können. Das grĂ¶ĂŸte Kapitel ist denn auch einer Darstellung und Analyse des PhĂ€nomens Schamanismus gewidmet.
Es handelt sich zwar um eine fachwissenschaftliche Abhandlung, die jedoch vom Aufbau und Wortgebrauch her auch fĂŒr Nichtwissenschaftler geeignet ist.
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Beschwörer der Seelen. Das magische Universum der sĂŒdamerikanischen Indianer.

Hargous, Sabine
Basel: Sphinx 1976. 295 S.
ISBN 3-85914-121-X

Die französische Ethnologin und Soziologin Hargous prĂ€sentiert hier die Ergebnisse ihrer Feldforschung bei Stammesvölkern im Anden-Hochland SĂŒdamerikas. In diesen abgelegenen Regionen sind, trotz massiver UnterdrĂŒckung durch den spanischen Katholizismus, noch prĂ€kolumbianische Traditionen lebendig geblieben.
Es handelt sich um eine ethnosoziologische Studie, die detailliert auch Mythen, Geschichte und Kulturheroen behandelt. Der Schamane bzw. Hexer wird als Vertrauensperson des Volkes betrachtet, die allein es wagen kann, sich den MĂ€chten der Natur entgegenzustellen. AusfĂŒhrliche WĂŒrdigung erfahren schamanistische Krankheitsauffassungen, Diagnosestellungen, Heilungszeremonien wie auch Heilmittel aus dem pflanzlichen und tierischen Bereich.
Das Werk verfĂŒgt ĂŒber ein sehr gutes Verzeichnis der spanischsprachigen Literatur. Der Stil der Darstellung hat akademischen Einschlag, der Aufbau wirkt etwas unĂŒbersichtlich. In vielen Passagen kann das Werk jedoch einen guten Einblick in den gegenwĂ€rtigen Schamanismus der Hochanden vermitteln.
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Schamanen und Geistesbeschwörer in der östlichen Mongolei. Gesammelte AufsÀtze.

Heissig, Walther
Wiesbaden: Harrassowitz 1992. 214 S.
(Studies in Oriental Religions Vol. 24)
ISBN 3-447-03197-2

Der anscheinend der Religionswissenschaft zuzurechnende Autor hat seit den 40er Jahren den Schamanismus der östl. Mongolei untersucht. Der Band versammelt seine diesbezĂŒglichen Arbeiten aus den Jahren 1944-1989. Diese sollen eine Basis fĂŒr die Auseinandersetzung mit dem in den letzten Jahren neu erschlossenen Material bilden.
In seinen detaillierten Studien untersucht der Autor die EinflĂŒsse lamaistischer und buddhistischer ReligiösitĂ€t auf schamanistische GesĂ€nge, die GesĂ€nge zur Bannung von Krankheitsgeistern, die schamanistische Mythik und Epik sowie die Frage der HomogenitĂ€t des ostmongolischen Schamanismus und der heutigen Schamanentraditionen daselbst.
Da der Schamanismus der Mongolen, im VerhĂ€ltnis zum sibirischen und altaitĂŒrkischen, ethnographisch bzw. religionswissenschaftlich eher unterbelichtet ist, dĂŒrfte diese sorgfĂ€ltige und philologisch genaue Erschließung ethnographischer Quellen dankbar aufgenommen werden.
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Schamanen, Pseudoschamanen, Erlöser und Heilbringer. 2 BÀnde.

Hermanns, Matthias
Wiesbaden: Steiner 1970
Bd 1: Schamanen. XXIII, 705 S.
ISBN 3-515-00085-2
Bd 2: Pseudoschamanen. X, 346 S.
ISBN 3-515-00086-0
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Dem Verfasser geht es in seiner umfangreichen ethnographischen Studie um eine exakte Abgrenzung des Schamanen vom Zauberer und vom Heilbringer. Er beschreibt ausfĂŒhrlich den Schamanismus und die damit verbundene Vorstellungswelt bei verschiedenen asiatischen Völkerschaften. Auch zum amerikanischen Schamanismus finden sich vergleichende Darstellungen. Diese in ĂŒber 30jĂ€hriger Forschungsarbeit gewonnenen und gesammelten Erkenntnisse bilden einen guten Grundstock fĂŒr die vergleichende Erforschung schamanistischer Praktiken und Vorstellungen auf der ganzen Welt. Kritisch bleibt anzumerken, daß der Autor seinem oben angedeuteten Ziel nur wenig nĂ€her kommt, da der analytische Teil der Arbeit rudimentĂ€r bleibt. Durch das umfangreiche "Quellenmaterial" sind die BĂ€nde vor allem fĂŒr Ethnologen von Interesse.
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Koreanischer Schamanismus. Eine EinfĂŒhrung.

Hung-Youn, Cho
Hamburg: Museum fĂŒr Völkerkunde 1982. 129 S.
(Wegweiser zur Völkerkunde Heft 27)
ISBN: Keine

Aufgrund der UnzugĂ€nglichkeit des Landes und der Sprachbarrieren ist die koreanische Volksreligion, das heißt der Schamanismus, dem Westen völlig verschlossen geblieben. Dieses kleine Werk ist die erste Gesamtdarstellung in deutscher Sprache. Der Autor ist Koreaner, war jahrelang SchĂŒler eines Schamanen und studierte Anthropologie und Religionswissenschaft.
Angefangen von historischen Vignetten aus der Feder konfuzianistischer Gelehrter ĂŒber frĂŒhe japanische Feldforschungen bis hin zu einem modernen VerstĂ€ndnis schamanistischer Praktiken deckt der Autor viele Aspekte des Themas ab. Auch Initiation und Ausbildung der Schamanen werden sachgerecht dargestellt. "GötterhĂ€user" und "rituelle Objekte" beanspruchen ein eigenes Kapitel. Den Anschluß bildet eine Skizzierung der "Arten, Eigenschaften und Funktionen der Götter" und eine Beschreibung der zentralen Zeremonien der Schamanen.
Die Fundiertheit und Übersichtlichkeit sowie das hochwertige Abbildungsmaterial machen das Buch zu einem Standardwerk ĂŒber den koreanischen Schamanismus.
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Ani Shinan: Schamanismus bei den Shipibo-Conibo (Ost-Peru).

Illius, Bruno
MĂŒnster: Lit-Verlag 1987. 450 S.
(Ethnologische Studien Bd. 12)
ISBN 3-924-18908-0
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Dem Autor geht es darum, mittels eigener Feldforschungen und vorhandener ethnologischer Berichte eine detaillierte Studie eines Indianerstammes am Amazonas zu liefern. Dieser Stamm wird zunÀchst anhand des Dorfalltags in mehreren Aspekten dargestellt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch und seine Eingebundenheit sowohl in die Welt der Geister als auch der Gesellschaft und der Natur. Der Schamane wird als Mittler zur Geisterwelt verstanden. Die Geisterwelt wird ihm durch die Einnahme einer psychedelischen Droge (Ayahuaca) eröffnet, mit deren Hilfe er die aus der Ordnung geratenen VerhÀltnisse reguliert.
Eine sorgfĂ€ltige ethnographische Studie, deren umfangreicher Dokumentenanhang vor allem Fachpublikum interessieren dĂŒrfte.
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Indianische Heilkunst. Pflanzen, Rituale und Heilungsbilder nordamerikanischer Schamanen.

Kaiser, Rudolf
Freiburg/Basel/Wien: Herder 1996. 191 S.
ISBN 3-451-04471-4
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Schon seit langem beschĂ€ftigt sich dieser Professor fĂŒr Anglistik mit Kultur und Weltanschauung der Indianer. Er hat viele persönliche Erfahrungen bei den Navaho-Indianern in Arizona und New Mexico gesammelt. Seiner Ansicht nach verfĂŒgen die Navahos ĂŒber das differenzierteste und am meisten angewandte indianische Heilsystem. Ausgehend von den Navahos versucht der Autor die gemeinsamen, das heißt stammesĂŒbergreifenden weltanschaulichen HintergrĂŒnde indianischer Medizinsysteme herauszuarbeiten.
Die indianische Medizin wird in groben Strichen in ihren Grundlagen, Verfahren und Zielen dargestellt. Nach der Beschreibung einzelner Heilungszeremonien werden in separaten Kapiteln die indianische Phytotherapie, die SandgemÀldetherapie der Navaho sowie die Behandlung mit den "Hopi-Ohrkerzen" abgehandelt. Im Anhang finden sich die Texte verschiedener HeilungsgesÀnge. Auch viele Aspekte "der" indianischen Weltanschauung finden sich nachvollziehbar erörtert, allerdings ist eine Tendenz zur Idealisierung erkennbar.
Ein informatives und sachkundiges Buch, das gut als EinfĂŒhrung in das Gebiet "Indianische Medizin" dienen kann.
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Schamanen, Heilige und Ärzte. Psychotherapie und traditionelle indische Heilkunst.

Kakar, Sudir
MĂŒnchen: Biederstein 1984. 315 S.
ISBN 3-7642-0168-1
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Das Buch eines praktizierenden indischen Psychoanalytikers erörtert traditionelle medizinische Vorstellungen vom Menschen und seinen Krankheiten in Indien. Die Darstellung ist in drei Teile gegliedert und behandelt neben dem indischen Schamanismus die mystischen Traditionen Indiens wie auch die Traditionen der Krankheitsvorstellungen. Von diesen Vorstellungen ausgehend, versucht der Autor Parallelen zur modernen Psychotherapie aufzuzeigen. Die Darstellung hat akademischen Einschlag, ist aber gut lesbar.
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Die Heilkunst der Hawaianer.

King, Serge Kahili
Freiburg i. Br.: LĂŒchow 1996. 181 S.
ISBN 3-925898-58-1
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Der zugleich mit einem Doktor in Psychologie wie auch mit einer Initiation in den hawaianischen Huna-Schamanismus ausgestattete Autor hat dieses Buch eher systematisch aufgebaut. Nach einer guten Skizzierung der Geschichte des hawaiischen Schamanismus wird dessen Stellung zu verschiedenen Zentralthemen des (menschlichen) Lebens erlĂ€utert. Daran anschließend werden die grundlegenden Vorstellungen der Schamanen zu den Ebenen des Bewußtseins sowie einige Kategorien von "psychischen KrĂ€ften" vorgestellt. Besonderen Wert legt der sachkundige Autor auf die Beziehungen von Geist und Körper. In dieser Beziehung sieht er die krankmachenden psychischen Komplexe und emotionalen Verstrickungen verankert und weist Wege zu deren Auflösung.
Der Autor kennt das hawaiische Huna-System sehr gut und versteht es dem Leser Grundideen und Heilwissen nahezubringen, ohne in eine Lebenshilfe-DirektivitĂ€t zu verfallen. Auch die am Ende stehende kritische Auswahlbibliographie zum Huna-Schamanismus macht dieses Buch zum Gewinn fĂŒr den ernsthaft Interessierten.
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Liggenstorfer, Roger/Christian RĂ€tsch (Hrsg.)
Solothurn (CH): Nachtschatten 1996. 269 S. (Großformat).
ISBN 3-90708034-3
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1943 entdeckte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann die psychedelische Wirkung des LSD. Er aktivierte damit weltweite ForschungsbemĂŒhungen. Etwa 10 Jahre nach der LSD-Entdeckung gelang Hofmann die chemische Reindarstellung der wirksamen Stoffe aus den sogenannten "magischen Pilzen" mittelamerikanischer Schamanen. Zum 90. Geburtstag von Hofmann erschien der vorliegende Sammelband.
Er enthĂ€lt neben dem lesenswerten Lebensbericht der bekannten "Pilz-Schamanin" Maria Sabina eine Reihe von BeitrĂ€gen, die sowohl die Geschichte der magischen Pilze umreißen als auch die wissenschaftlichen BemĂŒhungen um deren chemische Erforschung und therapeutische Nutzung darstellen.
In den 80er Jahren kam es durch Anleitungen zur Heimkultur dieser Pilzarten zur weltweiten Verbreitung. Es entwickelten sich daraus - im Anschluß an traditionelle schamanistische GebrĂ€uche - auch in Mitteleuropa verschiedene Rituale zur kulturellen Integration dieser Erfahrungsmöglichkeiten. Diese werden in dem sehr guten Beitrag des Ethnologen RĂ€tsch ĂŒbersichtlich dargestellt.
Insgesamt ein schön gestalteter farbiger Band, der vielfĂ€ltige Informationen zusammenfĂŒhrt und Anregungen zu einer Renaissance schamanistischer Praktiken vermittelt. Er stellt das umfassendste Kompendium zum Thema "magische Pilze und Schamanismus" dar.
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Schamanen am Rio Xingu. Neuentdeckte IndianerstÀmme im brasilianischen Urwald.

Lukesch, Anton
Wien: Böhlau 1990. 342 S.
ISBN 3-205-05288-9
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Der Ethnologe Lukesch betreibt seit den frĂŒhen 50er Jahren Feldforschungen im brasilianischen Urwald. WĂ€hrend der 70er Jahre gelang ihm die Kontaktaufnahme mit zwei bis dahin unbekannten Indianervölkern, den "Asurini" und den "Arawete". Von seinen im Zusammenleben mit ihnen gewonnenen Einsichten in ihre Herkunft und Rituale, ihren Umgang mit der Umwelt, ihren Glauben und ihr Weltbild handelt das vorliegende Buch. Die sehr genaue und engagierte Studie stellt den Schamanen als Traditionsvermittler, Heiler und Kenner des "Überirdischen" in den Mittelpunkt der Betrachtung. Im Kontext von sozialer Funktion und Stammesweltanschauung erweist sich der Schamane als wichtiger Dreh- und Angelpunkt des sozialen und metaphysischen Geschehens. Insbesondere bei den traditionellen Festen und Stammesritualen lĂ€ĂŸt sich einiges ĂŒber die MentalitĂ€t und das In-der-Welt-Sein dieser Urwaldmenschen in Erfahrung bringen.
Eine grĂŒndliche ethnologische Arbeit, die sich bemĂŒht den Schamanen im Gesamtkontext der Stammeskultur zu zeigen und die Respekt vor den komplexen Weltanschauungssystemen sogenannten "primitiver" Völker aufkommen lĂ€ĂŸt.
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Materialen zum Schamanismus der Ewenki-Tungusen an der mittleren und unteren Tunguska. Gesammelt und aufgezeichnet von I. M. Suslov 1926/28.

Wiesbaden: Harrassowitz 1983. XV. 131 S.
(Studien in orientalischer Religion Bd. 8)
ISBN 3-447-02234-5

Diese bisher unveröffentlichten Texte bzw. Berichte des russischen Ethnographen Suslov bilden nach Meinung des Herausgebers eine wichtige Grundlage zur Erforschung des sibirischen Schamanismus. Die Berichte wurden zu einem Zeitpunkt aufgezeichnet (1915-30), als der Schamanismus in diesen Gebieten eine noch ungebrochene Tradition besaß. Sie beziehen sich auf die Weltanschauung, die rituellen GegenstĂ€nde, die Seancen und die Sagen der Schamanen. Das Buch enthĂ€lt relevantes Material, ist aber vor allem fĂŒr Fachpublikum bestimmt.
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Drei SchamanengesÀnge der Ewenki-Tungusen Nordsibiriens. Aufgezeichnet von Konstantin Mixajlovic Ryckov in den Jahren 1905/1909.

Menges, Karl H.
Opladen: Westdeutscher Verlag 1993. 339 S.
ISBN 3-531-05107-5
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Dieser 2. Teil einer Materialsammlung (siehe oben) enthĂ€lt die von Ryckov in der Tundra des Limpija-Gebiets bei den Ewenki-Tungusen gesammelten Texte. Es handelt sich um die ersten tungusischen Texte, die in Übersetzungen veröffentlicht wurden. Die dortige Tundra ist ein Gebiet riesiger unwirtlicher Einöden unter dem Polarkreis. Als Hindernis der Forschung wirkte zunĂ€chst die Furcht der Schamanen vor den Geistern, die das "Verraten" sĂŒhnen könnten. Seit 1920 kam die Verfolgung des Schamanismus durch die sowjetische Zentralregierung dazu.
Im Zentrum des Buches stehen die GesĂ€nge, die von Beschwörung, Schlachtopfern und der Bitte um JagdglĂŒck handeln. Die Textwiedergabe wird gelegentlich unterbrochen, um die von den Schamanen wĂ€hrend der GesĂ€nge durchgefĂŒhrten Handlungen zu beschreiben. Den schwierigen - zum Teil abstrus wirkenden - Satzbildungen, die wohl auch durch halbekstatische ZustĂ€nde der Sprecher verzerrt wurden, hat der Autor entsprechende ErlĂ€uterungen vorangestellt. Hinter den Texten folgen dann noch ausfĂŒhrliche etymologische Kommentare zu Grammatik und Wortschatz, die letztlich mehr als die HĂ€lfte des Buches einnehmen. Es handelt sich um ein sorgfĂ€ltig aufbereitetes Quellendokument.
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Altjapanisch FaFuri. Zu Priestertum und Schamanismus im vorbuddhistischen Japan.

Miller, Roy Andrew / Nelly Neumann
Hamburg: Gesellschaft fĂŒr Natur- und Völkerkunde Ostasiens e. V. 1991. 127 S.
(Materialien der Gesellschaft fĂŒr Natur- und Völkerkunde Nr. 116)
ISBN 3-928463-51-9

FaFuri ist die altjapanische Bezeichnung fĂŒr den niedrigsten Rang der Priesterschaft. Diese Studie erinnert zunĂ€chst daran, daß Japan Bestandteil der altaischen Welt ist und von daher seine Urreligion auch dem Schamanismus zugehört haben wird. In der Abhandlung wird anhand der Überlieferung der Frage nachgegangen, inwieweit der FaFuri-Priester mit dem Schamanen vergleichbar ist. Aufgrund einer religionswissenschaftlichen Analyse ordnet der Autor letztlich die FaFuri-Priester dem Schamanismus zu. Eine sorgfĂ€ltige japanologische Arbeit, die sich auf einen Spezialaspekt konzentriert.
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Schamanismus als Problem religionswissenschaftlicher Terminologie. Eine Untersuchung.

Motzki, Harald
Köln: E. J. Brill 1977. 143 S.
(Arbeitsmaterialien zur Religionsgeschichte Bd. 2)
ISSN 0341-8529

Diese Arbeit ist in einem interdisziplinĂ€ren Seminar entstanden und bemĂŒht sich um die Gewinnung einer fachĂŒbergreifenden Terminologie. Dazu werden verschiedene engere und weitere Definitionen des Schamanismus referiert, um dann das Problem wissenschaftstheoretisch zu durchleuchten. Anschließend erfolgt eine empirische Analyse der Begriffsgeschichte und Begriffsverwendung. Im Kontext einer Erörterung der tragenden SĂ€ulen schamanistischen Wirkens (Funktionen, Techniken, Weltanschauung usw.) entwickelt der Autor letztlich zwei Nominaldefinitionen des Schamanismus.
Obgleich es sich um eine brauchbare Problemdarstellung handelt, gibt zu denken, daß der Autor fĂŒr seinen Anspruch relativ wenig Literatur einbezogen hat.
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Die Metamorphose der Frau. Weiblicher Schamanismus und Dichtung.

MĂŒhlmann, Wilhelm E.
Berlin: Reimer 1984. 2. Auflage 259 S.
ISBN 3-496-00801-6
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Der bekannte Kulturanthropologe MĂŒhlmann hofft, dem PhĂ€nomen Schamanismus und seinen Ausdrucksformen durch eine ĂŒberfachliche Perspektive nĂ€herzukommen. In einer "Perspektive der kindlichen Unschuld" soll die fremde "Lebenswelt" (Husserl) - unter Ablegung aller Vor-Urteile und Überlegenheitshaltungen - im eigenen Erleben zur "Erinnerung" gebracht werden. So etwas sei nur möglich, weil der Mensch einen universell gleichgearteten Schatz von Ur-Wissen besitze, der der Vergessenheit nur durch den Vorgang der "Erinnerung" im Sinne Platons entrissen werden mĂŒsse.
Im 2. Kapitel stellt der Autor "basale PhĂ€nomene des Schamanismus" dar und erlĂ€utert unter Heranziehung von Beispielen aus dem indischen, sibirischen und indo-europĂ€ischen Kulturkreis deren kulturĂŒbergreifende Bedeutungsstrukturen. Im 3. Kapitel bringt er viele Beispiele fĂŒr schamanistische Dichtung aus den sogenannten "Hochreligionen".
In seiner Studie nehmen erstaunlicherweise die "weiblichen Schamanen" sehr viel Raum ein. Gerade weil der Schamanismus bisher eher als "mÀnnlich" gilt, verdient diese vergessene Seite des Schamanismus sicher weitergehende Beachtung.
Insgesamt ist das Buch sehr akademisch im Duktus, zu ausufernd in den Beispielen und bei den kulturanthropologischen Analysen nicht ausreichend scharf im Zugriff. Trotzdem eine Fundgrube mit interessanten Einsichten durch die Herstellung vielfĂ€ltiger BezĂŒge.
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Wie man dem toten Hasen die Bilder erklÀrt. Schamanismus und Erkenntnis im Werk von Joseph Beuys.

MĂŒller, Martin
Alfter: VDG 1994. 227 S.
ISBN 3-980323-8-X

Diese wertvolle Dissertation beleuchtet einen wichtigen und doch vernachlĂ€ssigten Aspekt der Arbeiten eines der umstrittensten KĂŒnstler des 20. Jahrhunderts. Beuys verunglĂŒckt im 2. Weltkrieg fast tödlich in der sibirischen Einöde, wird von Tataren wieder aufgepĂ€ppelt und bleibt - womöglich von daher - lebenslang mit einer Mission zur Vermittlung von Europa und Eurasien im Innersten befasst. Er selbst stellte sich in Beziehung zum Schamanismus und suchte nach einem - den Schamanen zugesprochenen -"Ausgleich aller menschlichen ErkenntniskrĂ€fte". In seiner Kunst trachtete er, in der Moderne verlorengegangene, archaische und animistische ErfahrungsqualitĂ€ten wieder spĂŒrbar zu machen.
Die sorgfĂ€ltige Arbeit von MĂŒller bietet einen umfassenden Überblick zu den "schamanistischen Aspekten" des BeuysÂŽschen Werkes und sucht deren Bedeutung in dessen kĂŒnstlerischer Strategie auszuloten. Im zweiten Hauptteil wird den sich daraus ergebenden erkenntnistheoretischen Aspekten nachgegangen. Dem Autor ist es gelungen Beuys als ReprĂ€sentanten des Schamanismus zu zeigen und mit seiner Schrift die schmanistischen Anteile des BeuysÂŽschen Werkes deutlich zu machen.
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Hexenmedizin. Die Wiederentdeckung einer verbotenen Heilkunst - Schamanistische Traditionen in Europa.

MĂŒller-Ebeling, Claudia / RĂ€tsch, Christian / Storl, Wolf-Dieter
Aarau: AT-Verlag 1998. 272 S.
ISBN 3-85502-601-7
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Wird das Thema Hexenmedizin genannt, so sieht man sich unwillkĂŒrlich an Mittelalter, Inquisition, Verteufelung und Vernichtung traditionellen Heil- und VerhĂŒtungswissens erinnert. Dieser gut ausgestattete und bebilderte Band zeichnet den Sexual- und Fruchtbarkeitszauber, den Wetterzauber, den Totenglauben, die Hebammenpraxis und den Drogengebrauch der (vor-)mittelalterlichen Heilkundigen sachkundig nach. Die mit großer Kenntnis verfassten Beschreibungen der bedeutendsten Pflanzen umfassen deren Verwendungen als Abtreibungs- und Geburtshilfemittel, als Rauschmittel wie auch als RĂ€ucher- und Beschwörungsmittel. Die heidnische Glaubenswelt und deren Rituale werden ausfĂŒhrlich beschrieben und sinnvoll parallelisiert zu denen der Indianer und Naturvölker. Claudia MĂŒller-Ebeling befasst sich in ihrem Beitrag mit kulturgeschichtlichen Aspekten der Hexengestalt, deren inquisitorische Verteufelung sie plausibel im Kontext der mittelalterlichen DĂ€monisierung von Natur und Sinnlichkeit interpretiert.
Insgesamt ein sorgfĂ€ltig recherchierter und edierter Band, der eine FĂŒlle von VerdrĂ€ngtem und Vergessenem zur Kulturgeschichte der Hexen, das heißt: zu einer europĂ€ischen schamanistischen Tradition, zugĂ€nglich macht.
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Der Peyote Kult.

Myerhoff, Barbara G.
MĂŒnchen: Trikont 1980. 188 S.
ISBN 3-88167-068-8
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Dieses Buch fĂŒhrt den Leser in die faszinierende Welt der Huicholes, eines von der Zivilisation weitgehend unberĂŒhrten Indianerstammes im Nordwesten Mexikos. Die Kulturanthropologin Myerhoff fĂŒhrt zunĂ€chst in Geschichte und aktuelle Verfassung dieses Nomadenvolkes, unverwickelt in Marktwirtschaft und Geldverkehr, ein. Darauf folgt eine ErlĂ€uterung der archetypischen Mythologie der Huicholes anhand der zentralen mythologischen Wesenheiten. Die komplexen zeremoniellen Zyklen dieses Volkes entsprechen in vielem schamanistischen Ritualen. Hauptdarsteller bei der detaillierten Beschreibung der Ritualfolgen ist der Mara'akame, die schamanistische Leitfigur der Huicholes.
Zentraler Zeremonialzyklus ist die sogenannte Peyote-Jagd. Sie beginnt mit einer langen Wanderung zu den WuchsplĂ€tzen halluzinogener Kakteen (Peyote). Diese werden nach strengen Ritualen geerntet und spĂ€ter in einer wohlgeordneten Zeremonie gemeinsam verspeist. Die Drogeneinnahme schafft die psychophysiologischen Voraussetzungen zum Erleben eines tiefreligiösen mystischen Bewußtseinszustandes, der alle Trennungen aufhebt, soziale Barrieren transzendiert und die Menschen wieder ihre Einheit mit dem Ursprung erleben lĂ€ĂŸt. Die Autorin beschreibt nicht nur aus theoretischer Perspektive, sondern hat auch mehrfach an den beschriebenen Zeremonien aktiv teilgenommen.
Insgesamt eine grĂŒndliche ethnographische Darstellung, die sehr von der "teilnehmenden Beobachtung" der Autorin profitiert.
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Der Schamanismus bei den sibirischen Völkern.

Nioradze, Georg
Stuttgart: Strecker und Schröder 1925. 121 S.
ISBN: Keine

Dies ist die bis heute grĂŒndlichste anthropologische Studie ĂŒber den sibirischen Schamanismus.
In subtiler und detaillierter Weise werden zunĂ€chst die wichtigsten Themenfelder des Weltanschauungssystems der Schamanen beschrieben. Das zweite Kapitel behandelt Herkunft, Familienzugehörigkeit, Eignung und Vorbereitungszeit des SchamanenanwĂ€rters. Anhand plastischer Schilderungen werden TĂ€tigkeiten und soziale Bedeutung des Schamanen sorgfĂ€ltig dargestellt. AusfĂŒhrlich wird auch die Schamanentracht mit ihren spezifischen Attributen gewĂŒrdigt. Zu allen Bereichen bietet das Buch gute Abbildungen.
Der Autor ist offenbar tief in die Materie eingedrungen und hat von daher auch mythologische Aspekte gut zur Sprache gebracht. Kennzeichnend fĂŒr den Autor ist seine vorurteilslose Darstellung, die das Buch nach wie vor empfehlenswert macht.
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Ritual und Folklore im sibirischen Schamanismus. Eine vergleichende Strukturanalyse.

Novik, E. S.
Hamburg: Schletzer 1989. 382 S.
(Studia Eurasia Bd. III)
ISBN 3-921539-32-3

Bei dieser aus dem Russischen ĂŒbersetzten Studie handelt es sich um eine Untersuchung ĂŒber die Völkerschaft der Jakuten. Im Mittelpunkt der toleranten und modernen Analysen des Autors stehen die Ritualtypen und Ritualformen schamanistischen Wirkens (wirtschaftliche Rituale, Übergangsrituale, Todesrituale, Initiationsrituale usw.). Bei der Darstellung werden die entsprechenden Quellen gut eingearbeitet. Der Autor erörtert auch kommunikationstheoretische Aspekte, vergleicht sinnvoll mit modernen psychotherapeutischen Methoden und entwickelt kybernetisch anmutende Vorstellungen zur psychosozialen Regulation, die er in Riten und Ritualen realisiert sieht.
Der zweite Teil des Werkes beschĂ€ftigt sich mit der Poetik der Schamanenlegenden, insbesondere im Hinblick auf die Ritualkomplexe. Auch hier besticht die sorgfĂ€ltige und von großer Quellenkenntnis zeugende Darstellung.
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Shamanism and Northern Ecology.

PentikÀinen, Juha (ed.)
Berlin/New York: Mouton de Gruyter 1996. Ln. 386. S.
(= Religion and Society Vol. 36)
ISBN 3-11-014186-8
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Dieser umfangreiche und sorgfĂ€ltig edierte Band versammelt die auf einer Konferenz ĂŒber zirkumpolare und nördliche Religionen gehaltenen wissenschaftlichen VortrĂ€ge zum Thema Schamanismus.
In der informativen Einleitung wird ein interdisziplinÀrer Ansatz auf den Wegen von ReligionsphÀnomenologie und Religionsökologie favorisiert.
Der Herausgeber sieht nicht nur die Notwendigkeit die Reste schamanistischer Religion und Kultur ethnographisch zu erschließen, sondern geht auch einer Tendenz zur Wiederbelebung dieser Urreligionen im Kontext der Neukonstituierung kultureller IdentitĂ€ten (nach dem Zerfall der Sowjetunion) nach. Die von den Autoren behandelten etwa 25 VolksstĂ€mme Nordrusslands zĂ€hlen jeweils zwischen 300 und 35000 Individuen. Ohne daß hier auf einzelne der kompetenten und detaillierten BeitrĂ€ge eingegangen werden kann, so ist doch deutlich, daß die verschiedenen Autoren auf einen ganzheitlichen Zugang zum PhĂ€nomen Schamanismus zielen. Es wird somit nicht (wie bisher) Ekstase und Krankenheilung in den Vordergrund gestellt, sondern auch gesellschaftlichen und ökologischen Aspekten stĂ€rker Rechnung getragen.
Inhaltlich liegen Schwerpunkte auf: Weltanschaulichen Motiven im Schamanismus, C.G. Jungs Beziehungen zum Schamanismus, Körper und ĂŒbersinnliche Welt, Erdmutter-Gottheiten im Schamanismus, Interferenzen von Schamanismus und Christentum sowie schamanistischen Zeremonien und Glaubenssystemen.
Es handelt sich um eine Sammlung hochkarĂ€tiger BeitrĂ€ge, die sich um eine differenzierte Schamanismus-Interpretation bemĂŒhen. Der akademische Stil und die englische Sprache können ein Hindernis bei der LektĂŒre sein, schmĂ€lern aber nicht QualitĂ€t und Verdienst der BeitrĂ€ge.
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Schamanen und Missionare. Katholische Mission und indigene SpiritualitÀt in Nouvelle-France.

Post, Franz-Joseph
(Europa - Übersee Bd. 7)
MĂŒnster: Lit Verlag 1997. 282 S.

Kaum eine Region entging seit dem 15. Jahrhundert dem Expansionsstreben der EuropĂ€er. Meist resultierte aus der erzwungenen Begegnung ein Wechselspiel der Kulturen. Keineswegs - so der Autor - waren die EuropĂ€er alleinige Herren der Geschichte in den kolonisierten Regionen; noch die indigene Bevölkerung einflußloses oder passives Objekt der Beherrschung. Kontinuierlich ĂŒber fĂŒnf Jahrhunderte war die christliche Mission "integraler und integrierender Teil im politischen System des westlichen Expansionismus" und wurde erst dadurch zu einer Weltreligion - mit katastrophalen Folgen fĂŒr die indigenen Religionen.
Diese sorgfÀltige Studie geht der spirituellen Eroberung durch katholische Missionare des 17. Jahrhundert am Beispiel von "Neufrankreich" im Nordosten der USA nach. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die betroffenen Indianervölker (Huronen und Irokesen) zur Missionierung standen und auf sie reagierten. Die entsprechenden AssimilationsvorgÀnge werden vom Autor als Konfliktgeschehen in akribischer Darstellung rekonstruiert. Im Schamanismus erkennt er den geistigen Dreh- und Angelpunkt indigener SpiritualitÀt. Von daher werden im Kontrast zur katholischen SpiritualitÀt die Grundmotive schamanistischer Weltanschauung erlÀutert.
Das vorbildlich ausgestattete Buch enthĂ€lt grĂŒndliche Ethnographie und analysiert ein geschichtsbestimmendes Konfliktfeld.
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Priesterinnen, Heilerinnen, Schamaninnen? Die Poringao der Puyuma von Katipol (Taiwan).

Quack, Anton
Berlin: Reimer 1985. 168 S.
(Collectanea Instituti Anthropos 32)
ISBN 3-496-00783-4
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Die Studie problematisiert das VerhÀltnis weiblicher religiöser FunktionstrÀgerinnen in einer Stammesgesellschaft Taiwans anhand der Frage nach der Zugehörigkeit dieser FunktionstrÀgerinnen zum Schamanismus. Die Arbeit hat einen ethnographischen beschreibenden Teil (Dokumentation) und einen analytischen Teil. Dieser versucht anhand der Berufungs- und Initiationspraxis der religiösen FunktionstrÀgerinnen deren Beziehung zum Schamanismus aufzuzeigen.
Eine Spezialstudie, die fĂŒr Fachpublikum bestimmt ist.
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Naturverehrung und Heilkunst. Von fliegenden Schamanen, schwarzen Göttinnen, wilden Menschen und Liebesmysterien der Aphrodite.

RĂ€tsch, Christian (Hrsg.)
SĂŒdergellersen: Bruno Martin 1993. 287 S.
ISBN 3-921786-79-7
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Es kommen in diesem Band eine Reihe von bedeutenden Fachleuten zu Wort. Sie umreißen das Thema aus verschiedenen Perspektiven, die von Ethnologie ĂŒber Botanik, Kulturgeschichte, Medizin und Psychotherapie bis zur Kunstgeschichte reichen.
Im Zentrum der Betrachtungen stehen die Verzerrungen im VerhĂ€ltnis von Mensch und Natur. Angefangen von der magischen (und angstvollen) Inbegriffenheit des vorgeschichtlichen Menschen in die Natur, ĂŒber die christliche DĂ€monisierung der Natur, entwickelt sich das NaturverhĂ€ltnis zur neuzeitlichen wissenschaftlichen Objektivierung und rĂŒcksichtslosen anthropozentrischen Nutzung. Zentrales Agens eines integralen NaturverstĂ€ndnisses unserer Vorfahren war - so die Autoren - nicht nur die religiöse Zentralfigur der Erdgöttin, die das Gesamt der Natur reprĂ€sentierte, sondern auch die Kontaktaufnahme der Menschen mit den Naturgeistern ĂŒber BewußtseinszustĂ€nde wie Traum, Trance und Ekstase. Diese ZustĂ€nde transzendieren das rationale Tages-Wachbewußtsein als Instrument der Naturbeherrschung und schaffen wichtige Relativierungen ausbeuterisch eingeengter Wirklichkeitsschau. Die Autoren sind fast alle Experten im Bereich verĂ€nderter BewußtseinszustĂ€nde und vermitteln in ihren BeitrĂ€gen Wissen und Inspiration aus schamanistischen Anschauungen, Praktiken und Ritualen. Sie plĂ€dieren fĂŒr ein respektvolleres Umgehen mit der Natur und eine erweiterte Sicht auf Verzerrungen des instrumentellen Tages-Wachbewußtseins. Aus ihrer Sicht ist ein erweitertes Bewußtsein wesentliche Voraussetzung eines symbiotischeren Umgangs mit der Natur.
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Das schamanische Universum. Schamanismus, Bewußtsein und Ökologie in SĂŒdamerika.

Reichel-Dolmatoff, Gerardo
MĂŒnchen: Diederichs 1996. 331 S.
ISBN 3-424-01334-X
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Der französische Ethnologe Reichel-Dolmatoff ist bisher nur in den englischsprachigen LĂ€ndern fĂŒr seine Begreiflichmachung eines animistischen NaturverstĂ€ndnisses bekannt geworden. Er vermittelt mit seinen Arbeiten einen tiefen Einblick in die hochkomplexen Weltanschauungssysteme von Amazonasindianern (Tukano) und Steppenindianern (Kogi). Diese bemĂŒht er sich bei Erörterungen in ihrer "wahren GrĂ¶ĂŸe" zu erkennen und zu wĂŒrdigen. Von den Kogi beschreibt er Weltbild, Mythologie und Schöpfungsmythen detailliert und ĂŒbersichtlich. Der Schamanismus wird ausfĂŒhrlicher am Beispiel der Desana geschildert. Hierbei stehen Anschauungen ĂŒber Krankheit und Heilung sowie die Verwendung von Kristallen und ZaubersprĂŒchen im Zentrum. Im Anhang werden vom Ethnopharmakologen RĂ€tsch die Schamanendrogen Kolumbiens detailliert beschrieben. Obwohl es sich um eine seriöse ethnologische Arbeit handelt, kann das Buch aus ungeschulten Lesern eine aufschlußreiche LektĂŒre bieten.
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Die Verbannung der Trauer. NĂ€chtliche Heilungsrituale in den Hochanden Boliviens.

Rösing, Ina
(Mundo Ankari 1)
Nördlingen: Greno 1987. 511 S. /
ISBN 3-89190-815-6 (Kartoniert) / ISBN 3-89190-109-7 (Leinen)

Dreifaltigkeit und Orte der Kraft: Die weisse Heilung. NĂ€chtliche Heilungsrituale in den Hochanden Boliviens.
2 Bde.
(Mundo Ankari 2)
Nördlingen: Greno 1988. 500 S.
ISBN: 3-89190-879-2 und ISBN: 3-89190-111-9

Abwehr und Verderben: Die schwarze Heilung. NĂ€chtliche Heilrituale in den Anden Boliviens.
(Mundo Ankari 3)
Frankfurt/Main: Zweitausendeins 1990. 476 S.
ISBN: Keine.

Es ist kaum möglich, die umfangreiche Darstellung dieser anthropologischen Feldforscherin ĂŒber ihre Zeit in Peru in KĂŒrze zu charakterisieren. Ihre Darstellungen sind sehr ausfĂŒhrlich und mit farbigem Bildmaterial unterlegt.
Sie fĂŒhrt am Beispiel des peruanischen Volkes der Callawayas in die religiöse, rituelle und soziale Welt der Quechua-Indianer ein. Aus einer erstaunlich wenig arroganten Perspektive beschreibt sie deren Heilungs- und Trauerrituale, um diese dann einer differenzierten transkulturellen (und intra-kulturellen) Vergleichung zu unterziehen. Die jeweils exemplarisch herangezogenen Rituale sind mit einer Detailgenauigkeit und AusfĂŒhrlichkeit dargestellt, wie man sie nur selten findet. Das mag jedoch auch manchen Leser ermĂŒden.
Zentrale Bezugspersonen der Autorin sind jedoch nicht eigentliche Schamanen, sondern eine spezifische Unterform derselben, die sogenannten "Brujos" (Hexer). Diese sind nicht fest in einem bestimmten Volksstamm verankert, sondern sind "reisende MedizinmĂ€nner", die an verschiedenen Orten mit der RitualdurchfĂŒhrung tĂ€tig werden. Aufgrund ihrer Feldforschungen entwickelt die versierte Autorin ein theoretisches Modell zu den Vorstellungskomplexen der Heiler. Hierbei stehen die Vorstellungen vom "Seelenverlust" und der "Seelenrufung" sowie eine Theorie der irdischen und ĂŒbersinnlichen "Welten" im Mittelpunkt.
Insgesamt ein ungewöhnlich gut ausgestattetes ethnographisches Werk, dessen Umfang auf GrĂŒndlichkeit, aber auch auf einen Mangel an sinnvoller Selektion hinweisen könnte.
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Halluzinogene Drogen im Schamanismus. Mythos und Ritual im kulturellen Vergleich.

Rösing, Ina
(Mundo Ankari 1)
Rosenbohm, Alexandra
Berlin: Reimer 1991. 178 S.
(Marburger Studien zur Völkerkunde 8)
ISBN 3-496-00401-0
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Bei dieser Studie handelt es sich um die Doktorarbeit einer Ethnologin, die die Fachliteratur zum Themenkomplex der durch chemische Substanzen induzierten BewußtseinsverĂ€nderungen verarbeitet, jedoch keine eigenen Feldforschungen angestellt hat. Nach einer allgemeinen EinfĂŒhrung in die Problematik von Schamanismus und Ekstase konzentriert sich die Autorin auf die drei Haupttraditionen des "halluzinogen-unterstĂŒtzten" Schamanismus: 1. die durch den Fliegenpilz induzierte schamanische Trance der sibirischen Völker; 2. den Psilocybin-Pilz- und Peyote-Kaktus-Schamanismus bestimmter mittelamerikanischer Indianervölker und 3. die durch eine Dschungelliane ("Yage", "Ayahuasca") induzierte Schamanentrance sĂŒdamerikanischer EingeborenenstĂ€mme. Ihre Erörterungen umfassen sowohl die jeweiligen Rahmenbedingungen und Vorbereitungen des rituellen Rauschzustandes als auch mythische HintergrĂŒnde und Aspekte der ekstatischen Erlebnisse. Die Autorin hat praktisch die gesamte Literatur zum Thema verarbeitet und mit ihrer Arbeit einen zentralen Komplex des Schamanismus (soweit das mittels einer reinen Literaturarbeit ĂŒberhaupt möglich ist) grĂŒndlich bearbeitet. Das umfangreiche Kapitel ĂŒber den Gebrauch des Fliegenpilzes ist die bisher umfassendste Arbeit zum Thema. Insgesamt eine lesbare und gut recherchierte Arbeit mit ausfĂŒhrlichem Literaturverzeichnis, der eine breitere Leserschaft zu wĂŒnschen ist.
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Religion - Mystik - Schamanismus.

Scharfetter, Christian / Christian RĂ€tsch (Hrsg.)
Berlin: Verlag fĂŒr Wissenschaft und Bildung 1998. 271 S.
(Welten des Bewusstseins Bd. 9)
ISBN 3-86135-413-6
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Dieser Sammelband bringt die 1996 auf einem Kongreß des "EuropĂ€ischen Collegiums fĂŒr Bewußseinsstudien (ECBS)" gehaltenen VortrĂ€ge. Die zweite HĂ€lfte des Bandes ist dem Schamanismus gewidmet. Die Autoren bieten kompetente Erörterungen auf akademischem Niveau zur Frage "Ist Schamanismus Mystik?", zu Ursprung und Evolution des Schamanismus, zur Initiation von Schamaninnen und zu Verbindungen von Techno-Bewegung, Cyberspace und Schamanismus. Die Themen sind interessant und die Bearbeitung sorgfĂ€ltig. Nicht alle SchlĂŒsse mag der Leser teilen und sei doch fĂŒr ein modernes VerstĂ€ndnis des Schamanismus wie auch Aspekte einer neuartigen Integration seiner Vorstellungswelt und Techniken auf diesen Band besonders hingewiesen.
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Schamanen auf dem Dach der Welt. Trance, Heilung und Initiation in Kleintibet.

Schenk, Amelie
Graz: Akademische Verlagsanstalt 1994. 236 S. (Großformat).
ISBN 3-201-01601-2
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Bei Kleintibet handelt es sich um ein dem tibetischen Kulturraum zugehöriges StĂŒck von Westtibet, welches von der chinesischen Invasion Tibets verschont blieb und politisch heute Nordindien zugehört. Das von der Autorin in diesem Landstrich erstmals ethnographisch untersuchte ladakhsche Schamanentum und Orakelwesen wurde nach langen Konflikten buddhistisch ĂŒberformt und stellt heute ein Gemisch aus Schamanismus, urtĂŒmlicher tibetischer Bön-Religion und buddhistischen Elementen dar.
Im Laufe ihrer Forschungen lernte die Literaturwissenschaftlerin und Ethnologin etwa zwei Dutzend Schamanen und Orakelpriester kennen, die sie in ihrem Werk ausfĂŒhrlich selbst zu Wort kommen lĂ€ĂŸt. Wichtige Hintergrundinformationen bereitet die Autorin gutverstĂ€ndlich auf und integriert sie sinnvoll in den Text. AusfĂŒhrlich zur Darstellung gelangen die Berufungskrankheit der Schamanen, die Schamanen-Ausbildung (im Vergleich zu der der Orakelpriester) und soziale Komponenten des Schamanismus. Besondere WĂŒrdigung erfahren zu Recht die sogenannten "VerĂ€nderten BewußtseinszustĂ€nde", unter deren Einfluß die Schamanen psychische Tiefenerfahrungen machen und mit der Geisterwelt in Verbindung treten können.
Der gelungene Band besticht nicht nur durch brillante Fotografien, die Konzentration auf Wesentliches und eine Vielzahl von Berichten aus erster Hand, sondern auch durch einen detailgetreuen Schreibstil, der sowohl Laien begeistern als auch Ethnologen zufriedenstellen dĂŒrfte.
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Der Ursprung der Gottesidee. Bde. III, IX, X, XI, XII.

Schmidt, Paul W.
MĂŒnster: Aschendorf`sche Verlagsbuchhandlung 1931, 1949, 1952, 1954, 1955. Jeweils 500-750 S.
ISBN: Keine.

Es handelt sich um ein weithin unbekanntes Quellenwerk, das umfangreiches Material zum Schamanismus in aller Welt enthĂ€lt. Schwerpunkt ist der Schamanismus der asiatischen Völker. Der Autor dieser Besprechung hat nur die oben genannten BĂ€nde sondieren können. Diese enthalten detaillierte Studien, die ausfĂŒhrlich die maßgeblichen Werke der ethnographischen Literatur wiedergeben. So könnte man meinen, der Autor hĂ€tte hier seine "gesammelten Exzerpte" veröffentlicht. Das wird seinem BemĂŒhen insofern nicht gerecht, als er unter systematischen Zielsetzungen die WissensbestĂ€nde sorgfĂ€ltig sondiert und geordnet hat. Die wesentlichen Ansatzpunkte seiner Studien sind die Gottesvorstellungen der jeweiligen Völker als auch deren generelle Glaubensweltordnungen, ihre Schöpfungs- und Weltendemythen und ihr Schamanismus.
Behandelt werden in den oben genannten BĂ€nden die innerasiatischen Hirtenvölker, dieTataren-Völker, die Jenissier, die Burjaten, die Mongolen, die Yugakiren, die AlttĂŒrken, die Tungusen und andere.
Es ist ein wertvolles Quellen referierendes Werk, das die systematische Erschließung eines umfangreichen Materials leistet.
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Pflanzen der Götter. Die magischen KrĂ€fte der bewußtseinserweiternden GewĂ€chse.

Schultes, Richard E./Albert Hofmann/Christian RĂ€tsch
Aarau: AT Verlag 3. ĂŒberarbeitete Auflage 1998. 208 S. (Großformat).
ISBN 3-85502-645-9
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Dieses schon klassische Werk der beiden erstgenannten fĂŒhrenden AutoritĂ€ten auf dem Gebiet der Botanik und Chemie der psychedelischen Pflanzen wurde von dem Ethnopharmakologen RĂ€tsch ĂŒberarbeitet und erweitert. Es enthĂ€lt eine genaue Beschreibung von Aussehen, Herkunft, Zubereitung und Verwendung von fast einhundert psychoaktiv wirksamen Pflanzen. Zentral ist den Autoren die Anwendung der Pflanzenzubereitungen zur Divination und Heilung durch Schamanen auf der ganzen Welt. Diese Anwendungen werden an 15 Pflanzen exemplarisch aufgezeigt, indem die Autoren die geschichtlichen und kuturellen ZusammenhĂ€nge der Verwendung aufzeigen und mit hervorragendem Bildmaterial unterlegen. Auch moderne Anwendungen der Pflanzenwirkstoffe in Medizin und Psychotherapie werden sachgemĂ€ĂŸ dargestellt.
Nach wie vor das beste Buch zu diesem Aspekt des Schamanismus.
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Die soziale Funktion und Stellung der Schamanen in Sibirien.

Schulz-Weidner, Willy
Mainz: Diss. phil. 1947. 175 S.
ISBN: Keine.

Der Autor dieser seltenen Dissertation hat sich großer MĂŒhe unterzogen, um die sozialen Funktion und Stellung sibirischer Schamanen anhand des damals verfĂŒgbaren Schrifttums umfassend zu beleuchten. Aus der Schule des progressiven Ethnologen Thurnwald stammend, ist es ihm zunĂ€chst Anliegen Berufungsweg und schamanistische TĂ€tigkeit genauer zu erörtern. Mit erstaunlicher sprachlicher PrĂ€gnanz und großer Genauigkeit bei der Literatursondierung (incl. der russischen und skandinavischen) bringt der Autor wesentliche Gesichtspunkte zur Geltung. Besondere Aufmerksamkeit widmet er der wirtschaftlichen Stellung und der Machtposition der Schamanen wie auch den Beziehungen der Schamanen untereinander. In einem Anhang faßt er die Literatur zu "Wandlungen des Schamanentums unter dem Einfluß von Politik und Religion" in kritischer Weise zusammen.
Insgesamt eine auch heute noch in vielen Teilen lesenswerte grĂŒndliche Arbeit.
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Die Magier der vier Winde. Der Weg eines peruanischen

Sharon, Douglas
Schamanen.
Freiburg i. Br.: Bauer 1980. 299 S.
ISBN 3-7626-0634-X
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Der Anthropologe Sharon arbeitete jahrelang bei einem peruanischen Schamanen. Der heute weltbekannte Schamane Eduardo Calderon gab ihm intimste Einblicke in Vorstellungswelt und Praxis des uralten Anden-Schamanismus. Dieser hat eine lange Tradition, welche bis auf die Inkas zurĂŒckverweist.
HauptsĂ€chlich bringt das Buch authentische Berichte ĂŒber die Lehrzeit Sharons. Diese werden mit bisherigen Abhandlungen zum Thema ergĂ€nzt und verglichen. Eingestreut finden sich auch referierende Teile des Autors zur Geschichte des Schamanismus, des Drogengebrauchs, der schamanischen GebrauchsgegenstĂ€nde usw. Im Ganzen eine wirklichkeitsnahe und gut lesbare Darstellung.
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Das Schamanenbuch der Sibe-Manschuren.

Stary, Giovanni
Wiesbaden: Harassowitz 1992. 179 S.
ISBN 3-447-03244-8
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Bei der vorliegenden Schrift handelt es sich um ein Quellendokument aus erster Hand: eine aus oraler Tradition stammende und Mitte des 19 Jahrhunderts aufgezeichnete sibemanschurische Schamanen-Handschrift. Diese findet sich sowohl in deutscher Übersetzung als auch in manschurischer Landessprache wiedergegeben. Bis heute wurde sie nur ernsthaften Schamanen-AnwĂ€rtern zugĂ€nglich gemacht.
Mit einer Einleitung und kommentierenden bzw. erklĂ€renden Fußnoten versucht Stary das VerstĂ€ndnis zu erleichtern. Trotzdem ist der sich um Opfergebete, Initiationsgebete und -hymnen, Zauberformeln sowie Gebete zur Krankenheilung drehende Text in seinem tieferen Sinn nicht einfach zu erfassen.
Es handelt sich hier um eine der wenigen schriftlich festgehaltenen Äußerungen von Schamanen aus erster Hand. Zudem gilt der Text als ein MeisterstĂŒck sibemanschurischer Literatur.
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BeitrÀge zum psychologischen VerstÀndnis des sibirischen Zauberers.

Tschubinow, Georg
Halle an der Saale: Diss. phil. 1914. 94 S.

Diese Doktorarbeit eines russischstĂ€mmigen Psychologen bringt eine ĂŒbersichtliche und sorgfĂ€ltige psychologische Analyse der Rituale und Handlungsfolgen sibirischer Schamanen. ZunĂ€chst steht ein genaues Beschreiben und Zergliedern des großen dokumentierten Anschauungsmaterials im Vordergrund. Hierbei wird die, sonst weitgehend unberĂŒcksichtigte, russischsprachige Quellenliteratur gut eingearbeitet. Dann werden die Funktionen des Schamanen bzw. seiner Handlungen analysiert, um in den Handlungssequenzen "die ZusammenhĂ€nge psychologischer Notwendigkeit" erkennbar zu machen.
In seiner Zusammenfassung liefert der Autor eine entwicklungspsychologische Analyse der komplexen Ritualformen einer "primitiven" und einer "höheren" Kulturform, wie sie sich seiner Ansicht nach unter den sibirischen Völkerschaften finden lĂ€ĂŸt.
Insgesamt eine erstaunlich grĂŒndliche und sorgfĂ€ltige Arbeit, der auch heute noch eine Leserschaft zu wĂŒnschen ist.
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Die, die so aussehen wie jemand, aber möglicherweise etwas ganz anderes sind.

Aus der Praxis afrikanischer MedizinmÀnner.
Wagner, Johanna
Berlin: Zerling 3. Auflage 1996. 294 S.
ISBN 3-88468-023-4
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Die durch ihre jahrelangen Feldstudien inspirierte Autorin fĂŒhrt den Leser ĂŒber Animismus und Totemismus als weltanschauliche Grundlagen afrikanischer Stammeskulturen in die magische Welt- und Krankheitsauffassung der Schamanen und MedizinmĂ€nner ein. In 23 Kapiteln liefert sie eine chronologische Darstellung ihrer Reise- und Feldforschungserlebnisse. BegrĂŒĂŸenswerterweise kommen ihre Informanten hĂ€ufig auch selbst zu Wort.
Besonderen Eindruck machen ihr die große Menschlichkeit der MedizinmĂ€nner und deren sorgfĂ€ltige Erhebung der Vorgeschichte des Patienten. Außerdem arbeitet sie die wichtige Unterscheidung von (sozial nĂŒtzlicher) weißer Magie und sogenannter schwarzer Magie heraus. Der Autorin ist das Kompliment einer authentischen, wenig idealisierenden und gut nachvollziehbaren Darstellung zu machen, obgleich das Buch auch unter gewissen InkohĂ€renzen leidet.
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Der Geist des Schamanismus.

Walsh, Roger, N.
Frankfurt/M.: Fischer 1998. 352 S.
ISBN 3-596-14079-X
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Der amerikanische Psychiatrieprofessor Walsh beklagt, daß die bisherigen Studien ĂŒber den Schamanismus fast ausnahmslos von Ethnologen und Anthropologen verfaßt und somit psychologische bzw. psychospirituelle Aspekte des Schamanismus nicht ausreichend gewĂŒrdigt wĂŒrden. Nach einfĂŒhrenden Abschnitten ĂŒber das aktuelle Interesse am Schamanismus, die Personencharakteristik des typischen Schamanen und den Lebensweg der Schamanen, vertieft sich der Autor in psychospirituelle und psychologische Gesichtspunkte. Nach einer zusammenfassenden Schilderung schamanischer Techniken zur BewußtseinsverĂ€nderung erörtert er die Psychologie "verĂ€nderter BewußtseinszustĂ€nde". Diese "schamanischen GeisteszustĂ€nde" (Walsh) versucht er dann mit HeilungsvorgĂ€ngen in Beziehung zu bringen und ihre Bedeutung im Rahmen der Bewußtseinsevolution des Menschen zu erörtern.
Dem Autor geht es in erster Linie darum, den Schamanen als potenten "Heiler" zu rehabilitieren und ihn aus der falschen Deutung im Sinne von Psychopathologie, BetrĂŒgerei und "PrimitivitĂ€t" herauszulösen sowie seine Bedeutung fĂŒr die neuentstandene "transpersonale Psychologie" auszumessen. Empfehlenswerte LektĂŒre, insbesondere fĂŒr psychologisch Interessierte.  
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