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Häufig gestellte Fragen zum Thema Psychotherapie mit psychoaktiven Substanzen

von PD Dr. Torsten Passie

Was ist der Nutzen von psychoaktiven Substanzen in der Therapie?

• Psychisch aktivierende Stoffe wie Psilocybin, LSD oder MDMA können ĂĽber eine durch sie hervorgerufene Intensivierung des GefĂĽhlserlebens und eine Veränderung des Bewusstseins in Richtung auf ein traumartiges Erleben den Zugang zu verschĂĽtteten und verdrängten Erinnerungen (sowohl negativer als auch positiver Art) ermöglichen. Dadurch kann das Erinnern erweitert werden, aber es können auch neue Zusammenhänge erkannt, erweiterte und neuartige Perspektiven und Bewertungen im Bezug auf das eigene Leben und Erleben erlangt werden.
• Dadurch können psychotherapeutische Prozesse intensiviert, vertieft und beschleunigt werden.
• Durch die Entaktogene wie MDME oder MDE wird eine starke Entängstigung hervorgerufen, die sehr hilfreich bei der behutsamen Integration traumatischer psychischer Erfahrungen sein kann.
• Es können damit auch Patienten behandelt werden, die einer konventionellen Psychotherapie sonst nicht zugänglich sind.

Sollten psychoaktive Substanzen zukĂĽnftig (wieder) als Heilmittel eingesetzt werden?

• Seit Ende der 1980er Jahre gibt es weltweit eine Reihe von wissenschaftlichen Versuchen, diese Mittel wieder in der Psychotherapie einzusetzen.
• In der Erklärung der Suchtstoffkommission der WHO zum Verbot von MDMA aus dem Jahre 1986 wird, aufgrund einer Reihe von wissenschaftlichen Berichten, ausdrĂĽcklich auf die Notwendigkeit der Erforschung von MDMA zu psychotherapeutischen Zwecken hingewiesen und die Staaten werden aufgefordert, solche Forschung zu fördern.
• Es scheint, dass bei der Behandlung von Störungen wie sie typischerweise nach starken psychischen Traumatisierungen auftreten, diese Stoffe in Zukunft eine Rolle spielen werden, insbesondere bei schwerkranken und sonst nicht ausreichend behandelbaren Patienten.

Welche Erfolge gibt es bereits (in den USA, Schweiz, Leuner)?

• Schon seit den 60er Jahren, wo die psycholytische Therapie mit LSD und Psilocybin recht verbreitet war, gab es eine Reihe von Hinweisen auf deren gute Wirksamkeit. Allerdings waren die damaligen Methoden der Forschung nur wenig ausgereift, so dass diese (in die Hunderte gehenden) „alten“ Studien nach heutigen - erheblich strengeren - methodischen Standards nicht als Belege anerkannt sind.
• Damals vorgenommene umfangreiche Nachuntersuchungen konnten allerdings zeigen, dass keine besonderen Gefahren von der Verwendung solcher Stoffe im psychotherapeutischen Rahmen ausgehen.
• Professor Hanscarl Leuner an der Universität Göttingen galt als ein weltweit fĂĽhrender Experte auf dem Gebiet der psycholytischen Therapie und hat sie ĂĽber ca. 40 Jahre offiziell angewendet. Seine wissenschaftlich erhobenen Behandlungsresultate sind solide und durchaus vielversprechend.
• Die aktuell in den USA und in der Schweiz laufenden Studien zur Verwendung von MDMA (a.k.a. Ecstasy) in der Behandlung therapieresistenter psychisch traumatisierter Patienten (z.B. Opfer von Vergewaltigungen) zeigen bisher sehr gute Ergebnisse, die beim 6-7-fachen der therapeutischen Wirksamkeit der sonst zur Behandlung verwendeten SSRI liegen. Die Untersuchungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

Wie stellt sich die Zukunft dieser Behandlungsmöglichkeiten dar?

• Halluzinogene (z.B. LSD und Psilocybin) oder Entaktogene (MDMA, MDE u.a.) werden in Zukunft – im Fall des Nachweises ihrer Wirksamkeit – vermutlich eine relevante Stellung in der Psychotherapie einnehmen. Allerdings wird es dann voraussichtlich lediglich einige Spezialkliniken geben, in denen diese Art der Behandlung unter sorgfältiger ärztlicher Kontrolle durchgefĂĽhrt werden wird.
• Insbesondere fĂĽr leidende Menschen, deren Störungen - trotz groĂźer BemĂĽhungen mit konventioneller Psychotherapie bzw. Pharmakotherapie - kaum oder gar nicht behandelbar sind, könnten sich damit neue Behandlungsmöglichkeiten auftun.
• Da gerade diese schweren und chronifizierten Fälle das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft erheblich belasten, sollten diese Methoden/Mitteln sehr sorgfältig untersucht und ggf. genutzt werden.